Tugce A.s Tod

Der Sprecher der Bremer Initiative "Tu was!", Norbert Kuntze, hat 
angesichts des Todes von Tugce A. davor gewarnt, den Sinn von 
Zivilcourage in Zweifel zu ziehen. Nach solchen Ereignissen bekomme er 
stets viele Mails nach dem Motto "Seht ihr, Zivilcourage lohnt sich 
nicht. Wie könnt ihr zu Zivilcourage aufrufen?", sagte der Journalist am 
Freitag in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er 
halte es im Gegenteil für wichtig, in der Öffentlichkeit noch vehementer 
dafür einzutreten, dass Menschen einander helfen, wenn sie bedroht, 
geschlagen oder gemobbt werden: "Tugce ist gestorben, nicht weil, 
sondern obwohl sie Zivilcourage geübt hat."

Die Studentin, die am Freitag 23 Jahre alt wurde, hatte vor zwei Wochen 
zwei minderjährigen Mädchen geholfen, die in einem Fast-Food-Restaurant 
in Offenbach von mehreren Männern belästigt worden waren. Später war sie 
auf dem Parkplatz von einem der Männer geschlagen worden. Sie war so 
schwer gestürzt, dass sie ins Koma fiel und vor wenigen Tagen für 
hirntot erklärt wurde. Die Familie hatte gebeten, die lebenserhaltenden 
Maschinen erst an ihrem 23. Geburtstag abzuschalten.

Kuntze wies darauf hin, dass die junge Frau eigentlich alles richtig 
gemacht habe, um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen. Sie habe sich 
Hilfe von weiteren Gästen geholt. Das entspreche einer der "sechs Regeln 
für Zivilcourage". Möglicherweise hätten die Angestellten des 
Restaurants die Polizei rufen sollen. Aber die Situation schien geklärt. 
Es habe sich aber auch in vergleichbaren Fällen wiederholt gezeigt, dass 
man offensichtlich eine siebte Regel hinzufügen müsste. "Die Helfer 
sollten darauf achten, dass sie auch nachher nicht allein bleiben." Denn 
immer mehr Gewaltbereite versuchten, sich zu rächen.

Deshalb könne er auch Menschen verstehen, die aus Angst zunächst dem 
Reflex nachgäben, einfach wegzuschauen, betonte Kuntze. Umso wichtiger 
sei es, das Thema Zivilcourage mehr in der Bildung und Erziehung zu 
verankern. Ein respektvoller Umgang miteinander könne im Elternhaus 
genauso eingeübt werden wie im Kindergarten und später im Ethik- oder 
Mathematikunterricht. Es existierten zudem zahlreiche 
Trainings-Programme, mit denen Experten in die Schulen gingen. Erziehung 
zu Hilfsbereitschaft komme im Übrigen auch der Prävention zugute. "Wer 
früh gelernt habt, Mitleid und Respekt für andere zu empfinden, der wird 
nicht gewalttätig."

Quelle: epd/28. Nov. 2014